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SILVAN's TAGEBUCH

30. Dezember 2011

SILVAN (aus Transsilvanien) habe ich heute in Leverkusen abgeholt. 28 Stunden Fahrt in einer engen Transportbox von Miercurea liegen hinter ihm.
Starr vor Angst - ist bisher das einzige, was ich über ihn sagen kann, leider. Ich musste den schweren Kerl über die Schwelle tragen, ich glaube er war noch nie in einem Haus. Dort wo ich ihn abgestellt habe, ist er stehen geblieben. Eine Stunde lang. Obwohl vier weitere Hunde mit im Raum waren. Keine Spur von Neugier oder sonstwas. Also habe ich ihn dann auf seine Decke getragen. Das fand er glaube ich angenehm. Ebenso fand er das Futter und das Wasser des Gartenteichs in Ordnung. Jetzt hat er im Nebenraum seine Ruhe, kann sich von langen Autofahrt aus Rumänien erholen, und ich hoffe auf morgen ...

Ankunft

 

1. Tag, Samstag, 31.12.20011, 12 Uhr.

Nur noch wenige Stunden bis zum Beginn eines neuen Jahres, das für Silvan Start in ein neues, hoffentlich besseres Leben sein wird. Die Nacht hat er in der Praxis verbracht und liegt noch exakt auf demselben Platz, auf dem er gestern Abend gelegen hat. Auf mein freudiges "Hallo Silvan" antwortet er mit zaghaftem Schwanzwedeln. Der Raum ist - entgegen meinen Befürchtungen - sauber. So sehr ich mich darüber freue, so schlimm finde ich es für ihn, dass er sich nicht lösen kann.

Die Terrassentür ist nun seit einer halben Stunde offen, aber der Hund traut sich nicht raus. Also schleppe ich ihn über die Türschwelle. Schön findet er das nicht, aber draussen wird der neue "Zwinger" dann doch zaghaft inspiziert. Er scheint zu gefallen.

Silvan

 

Silvan

 

Silvan

 

Für meine Hündinnen scheint er unsichtbar zu sein. Sie laufen an ihm vorbei, einfach so, scheinbar ohne Kontakt aufzunehmen, selbst Sheila, die neuen Hunden immer zuerst die Hausordnung erklärt, schnüffelt nicht einmal an ihm. Allerdings bin ich sicher, dass da trotzdem eine Kommunikation stattfindet, die jedoch so minimalistisch ist, dass ich sie mit meinen unsensiblen Menschenaugen nicht erkenne.

Der arme Hund hat sich immer noch nicht gelöst. Das wundert mich, denn in Miercurea werden neue Zwinger - auch wenn schon andere Hunde darin sind, sofort markiert. Das hätte ich hier auch erwartet. Es ist ungemütlich kalt und regnerisch draussen. Die Hündinnen finden es doof, im Garten zu sein. Ich locke alle Hunde rein, aber Silvan bleibt draussen. Lautes Klappern mit Futternäpfen lockt ihn bis an die Tür, aber die Schwellenangst ist so groß, dass er sich nicht ins Haus traut, obwohl er doch gestern Abend hier gefressen und die ganze Nacht dort friedlich verbracht hat. Ich bringe ihm also sein Futter nach draussen.

Während ich hier mit geöffneter Terrassentür in dicker Jacke und Mütze am Computer sitze, liegt er vor der Tür im Regen. Also werde ich ihn wieder ins Haus über die Schwelle tragen, denn wir sind unter Zeitdruck, es dauert nicht mehr lange bis die ersten Silvesterknaller losgehen können, und dabei sollte kein Hund draussen liegen.

Du meine Güte, gerade habe ich gesehen, dass er sich in der Nacht doch gelöst hat, er hat den Urin einfach auf seine Decke unter sich laufen lassen. Armer Hund, solch eine Angst muss ja furchtbar sein.

Meine Hoffnung ihn bis zum Abend soweit zu haben, dass er mit ins Wohnzimmer kann, gebe ich erstmal auf, denn noch einen neuen Raum möchte ich ihm nicht zumuten.
20.00 Uhr. Er sitzt immer noch am selben Platz und rührt sich nicht. Ich kann mich neben ihn setzen ihn kraulen und streicheln, das scheint ihm sogar zu gefallen, er drückt sich in die Hand und wird an der Stelle ganz warm. Leider fühle ich dabei in welch schlechtem Zustand der Hund ist, er mag etwa 25 kg wiegen, besteht aber nur aus Knochen und unendlich viel verfilztem Fell. Dieser Hund hat fast gar keine Rückenmuskulatur, kaum Muskeln an den Läufen.

Noch eine Stunde bis zur Knallerei, die ich selber hasse. Den Aussies und Incanjú ist das gleichgültig, mal sehen, wie es Feli und Silvan damit ergehen wird. Ich hoffe die Ruhe der Hündinnen überträgt sich auf ihn. Ich sitze hier mit den fünf Hunden, wir haben es uns so gut es geht gemütlich gemacht.

2. Tag, 1. Januar 2012, 1.00 Uhr

Geschafft! Alle fünf Hunde waren ruhig und bis auf Feli entspannt. Sie hat leise vor sich hin gezittert, ist aber im Körbchen geblieben.
Coole Hunde hab ich!!

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Rückblende

Ich habe mal ein wenig in der Vergangenheit gekramt, zweieinhalb Jahre zurück und habe Bilder von Silvan - der in Rumänien Boba hieß - und seinen Geschwistern vom 25. Juli 2009 gefunden. Da habe ich diese tollen Hunde zum ersten Mal gesehen.

Boba

Sie waren etwa 9 Monate alt, und schon mindestens seit Mai im Tierheim.

Boba und Geschwister

 

Das ist der Rüde Bube, er ist schon seit längerem vermittelt,

Bube

das die Hündin Beba, auch vermittelt,

Beba

und hier der Hund links aussen ist Bibo, er sitzt noch in MC und wartet,

Bibo

ebenso wie die Hündin Bibi.

Bbi

 

Von Boba war ich vom ersten Augenblick an fasziniert. Ich hätte ihn so gerne im Herbst 2009 zu mir geholt. Bube und Beba durften ausreisen. Zuerst hiess es, seine Paten wollten ihn adoptieren, was jedoch nie geschah. Aber je älter er wurde, desto mehr "verwilderten" er und seine Geschwister. Sie wurden immer menschenscheuer. Solches Verhalten kann man oft bei Junghunden beobachten, wenn der Kontakt zu Menschen fehlt.

Boba

 

Boba

 

Boba

Es wurde sehr schwer, an sie heranzukommen. Im April 2010 saßen sie in einem Zwinger zusammen und waren ziemlich unzugänglich und scheu. Trotzdem ging mir vor allem Boba nicht mehr aus dem Kopf. Im März 2011 saßen sie immer noch in demselben Zwinger und waren in einem erbärmlichen Zustand. Bei ihnen war zusätzlich der Rüde Boris. Vier große Hunde in einem sehr engen schattigen Zwinger. Die Hunde waren entsetzlich mager und liefen immer nur stereotyp im Kreis herum oder lagen apathisch irgendwo im Dreck.

Boba und Geschwister

 

Bibo

 

Boba

 

Boris

 

Bibo

Als erstes bekamen sie zusätzliches Futter jeden Tag. Das mussten sie sich von mir aus der Hand holen. Ein Versuch sie aufzupäppeln und dabei mit mir vertraut zu machen. Aber auch nach einem Monat sahen sie kaum besser aus. Sie brauchten Licht, Luft und Sonne!!!

Nachdem einige Hunde ausreisen durften und andere dadurch umgesetzt wurden, habe ich für sie einen besonders großen schönen Zwinger fertig gemacht, dort schien den ganzen Tag die Sonne, was vor allem im Frühjahr Herbst und Winter dort so lebensnotwendig ist. Der Sommer in den Karpaten ist nur kurz.

Innerhalb von zwei Wochen nahmen sie endlich zu, und aus den ausgemergelten Hunden mit Zwingerkoller wurden schöne fröhliche Tiere. Füttern allein reichte einfach nicht aus. Ich musste bald noch ein paar andere Hunde hinzusetzen, was aber kein Problem war, denn diese Hunde sind sehr verträglich. So habe ich einen Zwinger mit wunderschönen Herdies zusammen gestellt. Unter anderem Flora, Merle und Lazio. Es war eine sehr harmonische Gruppe, die auch ganz langsam immer zutraulicher wurde.

neuer Zwinger

 

neuer Zwinger

 

Boba und Bibi

 

Lazio und Boba

Selbst Boris konnte endlich zunehmen und der extrem nervöse Hund wurde ausgeglichener.

Boris

Auch "mein" Boba ließ sich endlich kraulen!! Da war mir klar, dass ich ihn bald zu mir holen würde.

Nun ist er hier und ich hoffe, dass er bald seine Fröhlichkeit, die er in Zwinger 18 der Zone 3 entwickelt hatte, wiederfindet. Schade finde ich nur, dass die restliche Gruppe auf unterschiedlichste Zwinger aufgeteilt worden ist. Boris und Flora sind inzwischen in Deutschland und haben ihr Zuhause gefunden, aber Bibo, Bibi, Merle, Lazio warten immer noch und das zum Teil schon seit zweieinhalb Jahren!

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2. Januar 2012

Dieser Hund macht unglaubliche Fortschritte. Ein lustiges Pärchen: Zwingerhund Silvan und Kettenhündin Ofelia.

Silvan und Feli

 

Silvan

Silvan

Der Silvan entwickelt sich zu einem ganz supertollen Hund, er hat schon eine Bindung zu mir aufgebaut und kommt mit meinen Mädels auch gut zurecht, vor allem, da er sich Sheila freiwillig unterordnet. Schlau isser.

Morgen geht es zum ersten Mal in den Wald. Vielleicht regnet's ausnahmsweise nicht, und ich kann ein paar Bilder machen.

 

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