Straßenhunde in Rumänien Homepage

Ofelias kleine Welt ....

UPDATE 27. Januar 2011

Ofelia hat IHRE Familie gefunden! Am Sonntag morgen habe ich sie in ihr neues Zuhause gebracht, und Sonntag abend kuschelte sie schon mit ihren neuen Menschen und den Rüden Falito auf einem großen gemütlichen Sofa. Nach ein paar Tagen habe ich mal angerufen: ALLE sind glücklich, ich auch!

 

Ofelias Tagebuch

23. Oktober 2011

Gestern haben wir sie aus Limburg abgeholt: Ein knurrendes schnappendes zitterndes Bündelchen Hund, das auf gar keinen Fall angefasst werden wollte. Nur Futter und Wasser wurden gerne angenommen. Als erstes wechselte sie dann von der Transportbox in unseren XL-Zimmerkennel, der selbst für zwei Aussies noch groß ist. Sie verschwand dort in der hintersten Ecke. Ihre erste Nacht in Deutschland durfte sie in absoluter Ruhe verbringen, um sich von den Strapazen der langen Fahrt zu erholen.

Heute morgen wieder dasselbe Spielchen: Schnappen, knurren, zittern ... aber zusätzlich sehe ich auch einen Funken Neugier ...

Ofelia

 

Ofelia wagt sich aus dem Kennel

Du meine Güte, wie zart sie ist!

Ich mache es mir in der Nähe des Zimmerkennels gemütlich, lege hin und wieder ein paar Stückchen Futter zwischen mir und ihr aus, die sie ganz vorsichtig aufsammelt, um dann schnell wieder in der sicheren Box zu verschwinden.

 

RÜCKBLENDE

Ofelias kleine Welt ... oder eine Hütte mit Aussicht

An einem Sonntag nachmittag im April 2011 war ich mit der rumänischen Tierschützerin Loredana M. in den Straßen der rumänischen Stadt Miercurea Ciuc (MC) in den Ostkarpaten unterwegs, um Straßenhunde für eine Kastrationsaktion einzufangen. Es schien, als hätten die Hunde unser Kommen geahnt, trotz des herrlichen Frühlingswetters waren sie wie vom Erdboden verschwunden. Loredana wusste von vielen freilaufenden Hunden am nördlichen Stadtrand.

Pflügen mit dem Pferd

 

Miercurea

Wir fragten ein paar Leute, die gemütlich in der Sonne vor ihrem Haus saßen. Sie zeigten in Richtung Berge. Richtig, da sahen wir sie ... aber an Einfangen war nicht mal zu denken, so scheu waren diese Hunde und Welpen.

Wir fuhren bis an einen heruntergekommenen Hof mit zahlreichen freilaufenden Hunden und fragten die Männer dort, ob wir die Hündinnen einfangen dürften, um sie kastrieren zu lassen? ... Schulterzucken ... Es war ihnen egal, doch Hilfe wurde uns auch nicht angeboten, denn niemand wollte sich von den halb wilden Tieren beissen lassen.

halbwilde Hunde

Etwas weiter in einer Ansammlung von alten und neueren Häusern, Schuppen und relativ gepflegten Gemüsegärten zeigte mir Loredana ein Elend der ganz besonderen Art, dass ich bislang verdrängt hatte: Die Kettenhunde. Ich wusste, dass es sie gab, aber ich wollte es einfach nicht sehen: Ihr Gekläff war schon von weitem zu hören. Lugte man in die meist mannshoch umzäunten Gärten hinein, sah man sie an ihren kurzen Ketten zerren und reissen. Sie schnüren sich die eigene Kehle zu, doch ihre Wut ist stärker als der Schmerz. Lebendige Alarmanlagen. Oft haben sogar die Besitzer Angst vor diesen Hunden, sie werfen ihnen das Futter zu und kehren hin und wieder den Dreck weg.

Diese traurigen Augen... Ein absolut sinnentleertes Lebn.

alter Kettenhund

 

Am Ende eines Weges entlang der Gärten fanden wir eine Hütte, davor ein Pfosten mit einer Kette daran, etwa eineinhalb bis zwei Meter lang: an der viel zu dicken Kette mit einem Würgehalsband eine zierliche Hündin mit zwei Welpen, die vielleicht 14 Tage alt sind.

Ofelia

 

Ofelia mit Welpen

 

Ich mochte es nicht glauben. Sie säugte die Kleinen, während sie selbst dabei an der Kette lag. Von der Tierärztin Nina S. vom Tierärzte-Pool weiss ich dass die Hündinnen von den Rüden mehrfach regelrecht vergewaltigt werden. Sie zeigte mir auch die geschundene halb zerrissene Vulva einer alten Kettenhündin ...
Als Besitzerin zweier intakter Hündinnen kenne ich die Aufdringlichkeit mancher Rüden, selbst wenn sich die Hündinnen wehren, weil sie noch oder nicht mehr paarungsbereit sind. Zweimal im Jahr für drei Wochen werden sie belästigt. Ich kann meinen Hündinnen helfen, indem ich sie schütze, aber wer hat dieser kleinen Maus geholfen?

Die kleine Hündin hatte eine freundliche Besitzerin von der sie gefüttert und sogar gestreichelt wird. Die junge Frau hatte keine wirkliche Vorstellung davon, wie sehr die Hündin litt. Das macht man seit Jahrhunderten schon so .... Loredana redete eine Zeit auf sie ein, und wir durften die Hündin zur Kastration mitnehmen und versprachen, sie in wenigen Stunden wiederzubringen, damit die Welpen nicht sterben müssen. Die Frau war bereit, die Babies zwischenzeitlich warm einzuwickeln und mit ins Haus zu nehmen.

die Welpen

Die Hündin hatte Angst vor uns, aber wehrte sich nicht. Sobald wir im Tierheim ankamen, wurde sie narkotisiert und operiert. Ich habe ihr dann noch ein neues Halsband gesucht und gegen das Kettenhalsband eingetauscht. Sobald sie einigermaßen wach war, haben wir sie zurückgebracht in ihre Hütte zu ihren Welpen.

Am nächsten Morgen sind wir wieder hingefahren, um nach ihr zu sehen. Sie hatte sich gut von der OP erholt, doch sie war leider wieder an der Kette obwohl wir der Besitzerin versichert hatten, dass die Hündin nicht weglaufen würde, solange sie die Babies hätte ...

So saß sie in einer Hütte mit schöner Aussicht auf Wiesen, Berge und Felder gefangen in einem Radius von eineinhalb oder zwei Metern.

Ofelia

 

Ofelia

 

Ofelia

 

Pflügen mit dem Pferd

 

Ende Juli 2011 haben wir die kleine Hündin noch einmal besucht, sie war sehr scheu und misstrauisch geworden.

Loredana lockt Ofelia

 

Loredana hat sich in MC weiter für die Hündin eingesetzt und sie zu sich geholt, damit sie endlich von der Kette befreit wurde.
Was aus ihren Welpen geworden ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. ....

 

Ich nenne die kleine zarte Maus Ofelia. Sie ist etwa 43 cm groß und 11 kg leicht, ungefähr ein halber Aussie. Endlich, nach einer guten Stunde ist ihr klar, dass ich wirklich nicht gruselig bin und es geht raus in den Garten, erst zögerlich, dann aber immer mutiger nimmt sie die fremden Gerüche und Geräusche in sich auf. Mein wild herumtobenden Aussies sind ihr etwas unheimlich.

Ofelia im Garten

 

Ofelia

 

Weitere zwei Stunden später wedelt sie mich freundlich-zaghaft an, und findet Streicheleinheiten schon ziemlich gut und erobert sich erstmal ein Hundebett. Meinen anderen Hunden ist sie völlig egal, sie hält sich ihrerseits von den Aussies und Incanjú fern.
Ich mag sie. Mit etwas Geduld und Ruhe konnte ich ihr Vertrauen gewinnen. Der erste wichtigste Schritt ist geschafft.

 

Ofelia im Hundebett

 

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