Straßenhunde in Rumänien Homepage

Meine Reise zu den Straßenhunden, März/April 2010 - Tagebücher und Bilder

 

Samstag, 27. März
Um 9.00 Uhr holen mich András und Eva an der Pension ab. Wir werden von einem wild kläffenden Empfangskommitee begrüßt. An den Geräuschpegel muss ich mich erst einmal gewöhnen. Mein erster Tag im Tierheim beginnt mit einer Schreckensmeldung: Die Hündin Isa wurde tot gebissen. Ich kann es nicht glauben. Aber das ist eine der vielen Realitäten in dieser Welt der 430 Hunde.

Das ist der kleine Sanders, er erinnert er mich an meinen Ex-Pflegi Billy-Fellini in Taschenformat. Sanders wurde vor kurzem operiert. Man hatte ihn auf der Straße gefunden mit einem gebrochenen Hinterbeinchen, das nur unzureichend zusammen gewachsen war. Der rumänische Tierarzt Tibi, der jeden Tag stundenweise ins Tierheim kommt, hat das Bein wieder gerichtet. Der kleine Kerl humpelt stark, er darf deshalb in der Praxis wohnen, und genießt das sichtlich: Prinz Sanders.

 

Sanders

Das Prinzchen mit Eva, der rumänischen Leiterin des Tierheim. Sie hat ein großes Herz für Hunde und Katzen, nur leider wenig Ahnung vom Management eines so großen Tierheims, sowie notorischen Geldmangel.

Sanders

Frühlingswetter mit wärmender Sonne, schon fast zu grell zum Fotografieren. Wir machen einen ersten TH-Rundgang. der Tierpfleger Joschka mit "seinem Hund" Bundas.

Bundas

Bundas war im Juli 2009 mitsamt Hütte, Kette und allem drum und dran im TH abgegeben worden. Inzwischen läuft er in Zone 2 frei, da er sich mit den Hunden gut versteht. Zu Menschen ist er mitunter etwas schnappig und unberechenbar. Ich werde aufpassen.

Zone 1

Das TH-Gelände ist in vier Zonen aufgeteilt:
In Zone 1 im Eingangsbereich müssen die neuen Hunde untergebracht werden, bis sicher gestellt ist, dass sie grundimmunisiert und parasitenfrei sind. Ca. 14 Tage vor meiner Ankunft hatte es in Miercurea eine große Einfangaktion freilebender Hunde gegeben. Die Hundefänger gehen nicht gerade zartfühlend mit den Tieren um. Sie werden mit einem Betäubungsgewehr angeschossen, mit Drahtschlingen eingefangen und auf den Müllwagen verladen.
Ich staune, wie freundlich Willie zu mir kommt; er genießt es, von Meli gestreichelt zu werden.

Willie

Ebenso das freche Hexchen

hexchen

Von 20 eingelieferten Welpen haben bisher 4 überlebt:

dieser kleine scheue Rüde, den ich Goran getauft habe, ich hoffe, dass er einmal groß, stark und schön wird. (Er ist wunderschön geworden und lebt inzwischen bei einer Familie in Deutschland)

Goran

Goran und Meli

diesem hübschen Mädchen habe ich den sanft klingenden Namen Samara gegeben, (leider ist sie wenige Tage nach meiner Abreise an einer Herzmuskelentzündung gestorben)

Samara

und dieses Mädchen heisst Sorina, (sie ist inzwischen stark und gesund).

Sorina

 

Tibi behauptet, dass Dream und Fly Wolfsmischlinge seien. Möglich wäre das schon, da im Winter die Wölfe der Karpaten durchaus bis in die Dörfer und Städte kommen.

Dream

Dream

 

dream

Fly

Fly

 

fly

Immer mal wieder werden solche ganz besonderen "Feenhunde" eingefangen, meist in kleineren Gruppen.
Niemand weiss woher sie kommen, sie haben alle eine gewisse optische Ähnlichkeit und sind extrem scheu, huschen vor Menschen davon und wären am liebsten unsichtbar. Kommt man ihnen zu nah oder fühlen sie sich bedroht, sind sie äußerst wehrhaft.

Feenhunde

 

Feenhunde

 

Feenhunde

 

Feenhunde

 

Feenhunde

 

Feenhunde

 

Während mir Meli die neuen Hunde zeigt, ist Tibi in der Praxis angekommen. Dort hat der kleine namenlose Welpe wieder gekrampft und Schaum quillt aus dem Mäulchen. Das geht nun schon seit vorgestern so. Er wird erlöst, das ist das beste. Aber ich weine um den Kleinen. Ich weiss, dass ich das nicht so an mich heranlassen darf, aber jeder Hund ist ein paar Tränen und Gedanken wert, wenn er stirbt.

Welpe

 

Ich gehe wieder raus in die Sonne und spiele mit dem faszinierenden Welpen Ellery, der nun endlich seine Parvovirose überwunden zu haben scheint.

Ellery

 

Nach dem Euthanisieren des kleinen Welpen und Versorgung von Sanders' OP-Narbe bereitet Tibi eine Hündin zur Kastration vor. Ich bin fasziniert von seiner routinierten präzisen Arbeit und dem winzigen Schnitt, den er für die Kastration benötigt. Diese Methode hat er von den deutschen Tierärzten aus dem Tierärztepool (ähnlich wie Ärzte ohne Grenzen) übernommen, die schon mehrmals in Miercurea waren, um dort Kastrationsaktionen durchzuführen. Wie die meisten Tierärzte in Rumänien wird auch Tibi eher zu Rindern und Pferden gerufen, als zu Hunden oder Katzen.

Tibi

 

tibi

 

Zone 2

liegt räumlich gesehen hinter Zone 1. Das ist ein Teil des alten Tierheims.
Hier sind die Hunde überwiegend in eigentlich viel zu kleinen Zwingern untergebracht:

die 10 Jahre alte Hündin Leonie

Leonie

der menschenscheue Nomin

Nomin

Namacu, die ihre Angst vor den Menschen inzwischen überwunden hat, und vor Freude hüpft, wenn man sie besucht

Namacu

oder der extrem ängstliche Cedric, der am Maschendraht seines Zwingers neugierig auf uns zu kommt,

Cedric

jedoch in seiner Hütte verschwindet, sobald man den Zwinger betritt.

Wir öffnen das Dach der Hütte, er huscht entsetzt hinaus, flieht in die hinterste Ecke und Meli nähert sich ihm sehr langsam und vorsichtig und streichelt ihn ganz sanft. Er kennt dieses "Zwangskuscheln" schon, aber noch ist es nicht gelungen, ihn zu überzeugen, dass das ungefährlich und angenehm ist. Bei manchen Hunden dauert es sehr lange bis sie zutraulich werden können.

Cedric

 

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